Na also

Das Problem mit der gesetzlich zugesagten aber bisher nicht abschließend geregelten Unfallversicherung für nebenberuflich tätige Notärzte scheint gelöst. In einem Schreiben der KVB wird heute darauf verwiesen, dass der zuständige Kostenträger die Kommunale Unfallversicherung Bayern (KUVB) ist. Für Notärzte, die diese Tätigkeit nicht nur nebenberuflich oder außerbayerische ausüben gilt dies selbstverständlich nicht.

Ich bin dann mal… auf dem Weg

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie ich bereits erwartet und unter Freunden angekündigt hatte, bin ich seit 27.11. nicht mehr Mitglied des Vorstands der agbn.

In die beratende Vorstandskommission der KVB wurde ich – auf der Basis einer Empfehlung des ehemaligen Vorstands der agbn – erst kürzlich wieder berufen. Ich  glaube aber nicht, dass ich die neue Vorstandsebene der agbn weiterhin adäquat repräsentiere, weshalb ich konsequenterweise nicht mehr für die agbn sprechen will, kann, darf und werde. Ich habe daher mein Mandat in der o.g. Vorstandskommission an die KVB zurückgegeben und um Berufung eines neuen Repräsentanten der agbn gebeten.

Damit einhergehend nehme ich meine Mitgliedschaft in das Beratergremium zum Telenotarzt Bayern, wie auch meine Mitgliedschaft im CIRS-Bayern Team nur noch so lange wahr, bis von der beratenden Vorstandskommission ein Nachfolger bestimmt wurde.

Berufspolitisch fokussierte Mail-Anfragen an die agbn (in der Summe waren es über 600) werden zukünftig vom neuen Vorstand beantwortet. Natürlich werde ich mich weiterhin bemühen, jede direkt an mich gerichtete Anfrage (michael.reng@medicdat.de) nach Möglichkeit wie bisher rasch und kompetent zu beantworten.

Aus dem von mir auf dem agbn-Kongress angekündigten, aus eigenen Mitteln finanzierten Privat-Abrechnungs-Makro werde ich in den nächsten Tagen aus Gründen der technischen und formalen Haftung das agbn-Branding entfernen. Anschließend wird das Makro samt Bedienungsanleitung über diese Site zum Download bereitgestellt, technisch und formal verantwortlich bin dann ich selbst.

Abschließend ist es an der Zeit, mich für das im Lauf meiner „Amtszeit“ für das allzeit vorhandene Engagement der KVB für die Bayerischen Notärzte, für Ihr Entgegenkommen, Ihre Kompromissbereitschaft und nicht zuletzt für die stets respektvoll-freundschaftlich Zusammenarbeit zu bedanken. Auch möchte ich mich für die stets vertrauensvolle Zusammenarbeit mit BLÄK, ÄLRDs, Kostenträgern, Rettungsdienst, Innenausschuss des Landtags und den vielen anderen, die ich im Rahmen meines Amtes kennen und schätzen lernen durfte herzlich bedanken.

Ich bedanke mich besonders bei den Mitgliedern der beratenden Vorstandskommission Qualität im Notarztdienst der KVB. Engagement ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. In der Vorstandskommission fanden und  finden sich einige der engagiertesten und kompetentesten Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich je zusammenarbeiten durfte. All denen gilt mein Respekt. Ich wünsche ihnen weiter ein gutes Händchen bei Beratung und wenn möglich sogar Steuerung der notärztlichen Geschicke in Bayern.

Dass ich noch genug Ideen und Ziele für die nächsten Jahre habe, werden alle wissen, die mich kennen. Insofern hoffe ich, dass die mir verliehene Ehrenmitgliedschaft der agbn nicht als Zeichen des Zurückziehens aus dem Tagesgeschäft missverstanden und dass mir noch viel Zeit gegeben wird.

Ich werde unserem wundervollen Beruf als Notarzt so lange nachgehen, wie es mir gesundheitlich möglich ist und solange es ich das kann, werde ich mich auch bemühen weiterhin berufspolitisch Einfluss zu nehmen.

Ich bin dann mal noch nicht weg… ich bleibe auf meinem Weg

Herzlich

Euer Michael Reng

Das System der Notarztversorgung wird strukturell nicht angetastet!

Da nur wenig Ärzte die Gelegenheit hatten, an einer Veranstaltung des Rettungszentrums Regensburg (RZR Veranstatung 9.1.16) teilzunehmen, die sich mit dem Entwurf zum neuen Bayerischen Rettungsdienstgesetz befasst hat, sollen hier alle Interessierten eine kommentierte  Zusammenfassung der dort besprochenen und für die Notärzte relevanten Themen erfolgen.

Im Vorfeld der Veranstaltung wurde von agbn-Seite gebeten, doch auch kritische Stimmen als Referenten zuzulassen. Namentlich hatte die agbn gebeten, doch den Präsidenten der Bayerischen Landesärztekammer als zusätzlichen Referenten einzuladen, da dieser im Bayerischen Ärzteblatt zuletzt klar Stellung zum Gesetzentwurf bezogen hat. Dieser Wunsch wurde leider abgelehnt („Wir haben bei dieser Veranstaltung eine Stunde Diskussionszeit eingeplant, um alle Facetten und kritische Stimmen zu Worte kommen zu lassen…“).

Erfreulicherweise zeigte sich das erste Referat von Herrn Dr. Ebersperger (Bay. Innenministerium) als sehr konstruktiv. Die allseits bekannten Vorbehalte der agbn gegenüber dem Gesetzentwurf konnten zwar nicht ausgeräumt werden, Herr Dr. Ebersperger stellte in seinen Formulierungen aber verbal wie auch auf den Folien seiner Präsentation klar, dass es bei der Interpretation des von ihm federführend verfassten Gesetzestextes offenbar zu Fehlinterpretationen gekommen sei, die nicht beabsichtigt waren. Die wesentlichen Aussagen sprechen für sich selbst und sollen hier deshalb wörtlich zitiert werden:

  • „Das System der Notarztversorgung wird strukturell nicht angetastet“
  • „Es gibt keine Weisungsbefugnis einer Behörde gegenüber einem ÄLRD in medizinischen Fragen. Das ist selbstverständlich, das muss man nicht extra im Gesetz schreiben.“
  • „Weisungen der ÄLRD beziehen sich nur auf die ÄLRD Aufgaben und nicht auf die Behandlung der Patienten“
  • „Bei der Weisungsbefugnis geht es nie um die Behandlung der Patienten im Einzelfall“
  • „Es gibt keine Neuregelung beim Zugriff auf Patientendaten“
  • „Der Rettungsdienstausschuss ist nicht mehrheitlich durch ÄLRD besetzt“
  • „Dienstanweisungen im Rettungsdienst sind nicht neu geregelt“

Eine kleine grammatikalische Fehlleistung „Von 78 ÄLRDs gibt es einen, der nur Allgemeinarzt ist“, bei der das nur an die falsche Stelle im Satz gehüpft war, sei verziehen, zumal in den folgenden Sätzen wiederholt dargelegt wurde, dass mit dem neuen BayRDG „prinzipiell jeder in der Notfallmedizin erfahrene und qualifizierte – mit egal welchem Facharzt – zum ÄLRD berufen werden kann“.

Auf die Diskussion bezüglich der Delegation oder Substitution ärztlicher Leistungen an den Notfallsanitäter will ich hier nicht eingehen, weil dies für die Mehrzahl der Notärzte von nachrangiger Bedeutung ist. Interessant erschien mir als Vertreter der Notärzte in diesem Zusammenhang aber die Formulierung „So lange sich der Notfallsanitäter in der Grenzen der SOPs hält, trägt er keine Verantwortung.“ Diese liegt laut Gesetzesentwurf nämlich beim ÄLRD. Ob es rechtlich möglich ist die Durchführungsverantwortung (wozu natürlich auch das fälschliche Unterlasen einer Maßnahme gehört) vom Durchführenden auf seinen Anleiter („Der ÄLRD hat bezüglich der Notfallsanitäter Auswahl-, Anleitungs- und Überwachungspflicht.“) per Gesetz umdirigiert werden kann, dürfen andere klären.

Der Landesbeauftragte Ärztliche Leiter Rettungsdienst (Dr. Bayeff-Filloff) zeigte sich im folgenden Referat zunächst emotional ungewohnt erregt und gekränkt über unsachgemäße Beschimpfungen seiner Person im Zusammenhang mit seinen Dienstaufgaben. An dieser Stelle ist es mir ein Bedürfnis seiner Empörung uneingeschränkt zuzustimmen, da ich mit unsachlichen, persönlichen Verunglimpfungen – bei mir im Zusammenhang mit der leidigen Vergütungsdiskussion – selbst reichlich unerfreuliche Erfahrungen sammeln durfte. Ich hätte nie angenommen, dass mir jemals derartige persönliche und beleidigende Angriffe aus einer Ansammlung akademisch gebildeter Menschen heraus zuteilwerden. Ein solches unkollegiales Verhalten darf und muss von jedem – egal wessen Interessen er vertritt oder zu vertreten glaubt – nicht gebilligt werden.

Im weiteren Vortrag wurden dann vorrangig medizinisch-technische Aspekte des zukünftigen Einsatzes der Notfallsanitäter beleuchtet. So wurde unter anderem festgehalten, dass die zukünftigen Notfallsanitäter sehr wohl auch Opiate eigenständig verabreichen dürfen, sofern sie sich an die zugehörige SOP der Bayerischen ÄLRDs halten. Wer die Betäubungsmittelausgabe entsprechend dem Betäubungsmittelgesetz durch Unterschrift legalisiert wurde nicht kommentiert.

Der Notfallsanitäter darf einen Patienten nicht intubieren, da er nach aller Voraussicht die Anforderungen der Empfehlung der Dt. Gesellschaft für Anästhesie (zum präklinischen Atemwegsmanagement (100 Intubationen unter Aufsicht, danach 10 pro Jahr) nicht erfüllen kann. Ganz im – für mich unerklärlichen Gegensatz dazu – soll dem Notfallsanitäter die eigenständige Indikationsstellung und Durchführung einer Kardioversion innerhalb der Vorgaben der zugehörigen SOP – erlaubt sein.

Wichtig für die Entwicklung des Notfallsanitäters erscheint mir, dass bei deren Ausbildung zukünftig Simulationen ein besonderes Gewicht erhalten sollen. Nicht angesprochen wurde, wer diese Simulationen in der erforderlichen Mange anbieten kann und wird, und wer diese wiederum finanziert. Das zu klären ist allerdings auch nicht die Aufgabe des Kollegen Bayeff-Filloff, es war aber sicher wichtig, seine Einschätzung und Überzeugung diesbezüglich kennen zu lernen.

Besonders interessant war für mich, dass erwähnt wurde, dass die agbn an der Definition des Ausbildungscurriculums der Notfallsanitäter durch Vorstandsmitglied Rainer Schua beteiligt ist. Bisher hatten wir im Vorstand der agbn stets Rücksicht darauf genommen, dass der Kollege Schua von Amtswegen als Leiter des Sachgebietes Gesundheit in der Regierung von Unterfranken an der entsprechenden Arbeitsgruppe beteiligt ist. Wir hatten bisher nie Informationen aus dieser Arbeitsgruppe im Vorstand der agbn erbeten, erhalten oder diskutiert. Das werden wir nun „ohne schlechtes Gewissen“ nachholen. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn die offenbar erwähnenswerte Beteiligung der agbn in diesem Gremium auch formal fixiert würde.

Herr Dr. Prückner, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement (INM), stellte zuletzt in zahlreichen Grafiken differenziert dar, wie sich die Notarzteinsätze im Bayern der letzten Jahre entwickelt haben (kurz gefasst: sie haben zugenommen).

Interessant erschien der Verweis auf andere Bundesländer, in denen u.A. die Forderung laut geworden sei, der Arztbrief des einen Notfall-Patienten nachversorgenden Krankenhauses solle doch automatisch dem zuständigen ÄLRD zur Verfügung gestellt werden. Da es in Bayern aus Datenschutzgründen leider nicht einmal zulässig ist, dass der behandelnde Notarzt den Arztbrief „seines“ Patienten nachrichtlich erhält, wenn dieser aus dem nachversorgenden Krankenhaus entlassen wird (Begründung: Es besteht kein Behandlungszusammenhang mehr, die Überlassung des Arztbriefes an den Notarzt kann nur nach vorher eingeholtem, schriftlichem Einverständnis des Patienten erfolgen), entspringt die vorgetragene Wunschvorstellung anderer Bundesländer wohl eher einer „schönen neuen Welt“.

Eine der vom Kollegen Prückner vorgestellten Zahlen hat bei mir großes Interesse geweckt: bei einer Fallstudie in München waren 23% der Notarzteinsätze als zeitkritisch und damit „dringend Notarztbedürftig“ einzustufen. Anders formuliert war die Notarztindikation bei 77% der Einsätze in München retrospektiv zumindest nicht unmittelbar zwingend. Es besteht also – übertragen auf statistischen Wortschatz – eine hohe Sensitivität bei niedriger Spezifität. Ich hätte – rein aus der persönlichen Einschätzung heraus – prozentual weniger zeitkritische Einsätze geschätzt.

Die Kenntnis dieser Zahl ist aber sehr wichtig, denn würde in Zukunft, wie so an mancher Stelle gerne formuliert, die Spezifität der Einsatzindikation erhöht (nur wer Notarzt braucht, soll auch Notarzt bekommen), würden zwangsweise auch mehr falsch-negative Indikationen entstehen (Patient bräuchte Notarzt, kriegt aber keinen). Da die Zahl der Nachalarmierungen in letzter Zeit homogen mit der Zahl der Notarzteinsätze gestiegen ist, wäre es also fatal, wenn auf dem Richtstuhl der Spezifität der eine oder andere Patient der den Notarzt eigentlich braucht, dank mangelnder Sensitivität geopfert würde. Das könnte eine bedrückend hohe Zahl Patienten werden, die dann primär notärztlich unversorgt blieben. Dies gilt umso mehr für den ländlichen Bereich, wo eine Notarzt-Nachforderung bei einer primären Anfahrzeit von 15 bis 20 Minuten nur wenig Sinn macht. Also sind die 23% eigentlich ein Lob auf unsere Leitstellendisponenten, die viel zu oft von Gefühlszahlennutzern unsachlich kritisiert werden.

Da der Veranstalter zu Beginn des Symposiums mitgeteilt hatte, dass Fragen zur Diskussion schriftlich eingereicht werden sollten, zog ich es vor, diesem Teil der Veranstaltung nicht beizuwohnen. Über die dort noch besprochenen Inhalte kann ich daher an dieser Stelle nicht berichten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei der hier berichteten Veranstaltung – auch wenn der Veranstalter einer offenen Diskussion leider nicht wirklich traute – viel Versöhnliches formuliert wurde. Es bleibt daher abzuwarten, welche Umformulierungen im BayRDG vorgenommen werden, um die bisher missverständlichen Textteile zu optimieren.

In seiner Regierungserklärung hat Ministerpräsident Seehofer gesagt: „Bayern ist das Land des wertorientierten, aktiven Bürgersinns. Deshalb sage ich: Andere sehen in der Gesellschaft millionenfach Probleme, die der Staat lösen soll. Wir sehen in der bayerischen Bevölkerung millionenfach Lösungen“. Ich will gerne glauben, dass ich und viele mit mir den neuen Gesetzentwurf bisher missverstehen haben, als Ruck hin zu einer Staatsmedizin und servilen Gesundheitspolizei mit dem Ziel der Abschaffung des Notarztdienstes aus Kostengründen. Vielleicht wurde in das eine oder andere Wort zu viel oder das Falsche hineininterpretiert. Dennoch kann ich lesen, auch wenn ich juristisches Deutsch sicher ähnlich schlecht verstehe, wie Juristen medizinische Abhandlungen. Es ist der Anspruch der Juristen an uns, dass wir unsere Patienten allgemeinverständlich aufklären. So wünsche ich mir allgemeinverständliche, klare Formulierungen, wie sie heute gefallen sind – ohne Einschränkungen und verbale Hintertürchen – im Gesetzestext.

Es sollte also Ansporn für die Politik sein, nicht – wie der Vortrag von Dr. Ebersperger heute titelte – erklären zu müssen „BayRDG Novelle 12015/2016 – worum geht es wirklich?“, sondern den Gesetzestext oder zumindest die Ausführungsverordnung so zu formulieren dass auch ein Bürger mit abgeschlossener Hochschulbildung unzweifelhaft erkennen kann, was gemeint ist. „Koalition mit den Bürgerinnen und Bürgern – das ist für mich Fundament und Auftrag unserer Regierungspolitik“ heißt es in der Regierungserklärung weiter. Das hätte ich doch gerne so, denn auch Notärzte sind in erster Linie Bürger unseres Landes und wir sind gerne und engagiert für dieses Land und seine Bürger Tag und Nacht aktiv. So soll es auch bleiben.

Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse (Antoine de Saint-Exupéry). Der Titel dieses Blog-Eintrags ist unmissverständlich und kommt nicht vom Autor dieser Zeilen, sondern aus dem Innenministerium.

Unsere Empfehlung zum Vergütungsmodell

Vorschlag von agbn und Regionalvertretern zum Vergütungsmodell

Über das neue Vergütungsmodell für die Notärzte in Bayern wird verhandelt und verhandelt und noch immer wissen wir nicht, was KVB und Kassen bisher erreicht haben. Öffentliche Statements sind während laufender Verhandlungen nicht üblich, so heißt es. Das von uns vorgeschlagene Vergütungsmodell ist – so wurde uns von der KVB aber zugesichert – Basis der Verhandlungen von Seiten der KVB. Um die Verhandlungen nicht unnötig zu gefährden haben wir daher bisher darauf verzichtet, unsere Forderungen zusätzlich öffentlich zu machen. Aufgrund der langen Verhandlungsdauer befürchten wir nun aber, dass wir irgendwann mit einer weitgehend durchdiskutierten Entscheidung konfrontiert werden, die dann aber doch nicht dem entspricht, was wir vorgeschlagen haben.

Bei der öffentlichen Vorstellung des von agbn und Regionalvertretern erarbeiteten Abrechnungsmodells, beim vergangenen Jahreskongress der agbn in Rosenheim, waren nur wenige Kolleginnen und Kollegen anwesend. Deshalb haben wir uns entschlossen, dieses von uns vorgeschlagene Modell nun erneut öffentlich vorzustellen um zu zeigen, wie wir eine transparente, faire und leistungsgerechte Honorierung des Notarztdienstes realisiert sehen wollen:

  • Wir empfehlen an allen Standorten in Bayern die gleiche Abrechnungsmodalität einzuführen.
  • Die Vergütung besteht aus einer Basisvergütung pro Stunde Wartezeit und einer Einsatzpauschale.
  • Während eines Einsatzes wird keine Wartezeitpauschale erstattet, d.h. pro abgerechneten Einsatz entfällt (unabhängig von dessen Länge) die Wartezeitpauschale einer Stunde aus der jeweiligen Schicht.
  • Zuschläge werden für Nacht, Wochenend- und Feiertage gewährt.
Berechungsbeispiele* 
* Wartezeitpauschale = [W], Einsatzvergütung = [E])
12h Schicht ohne Einsatz.Vergütung = 12 * [W]
12h Schicht mit einem EinsatzVergütung = 11 * [W] + 1* [E]
12h Schicht mit drei EinsätzenVergütung = 9 * [W] + 3 * [E]
12h Schicht mit 14 EinsätzenVergütung = 0 * [W] + 14 * [E]

Das Vergütungsmodell zeichnet sich durch einen standortunabhängigen, bayernweit einheitlichen, fairen und transparenten Berechnungsalgorithmus aus. Es stellt sicher, dass an jedem Standort eine akzeptable Basisvergütung zur Verfügung steht, gleichzeitig aber eine leistungsorientierte Steigerung der Vergütung erfolgt. Es erlaubt die Anwendung auf alle Schicht- und Organisationsmodelle in Bayern. Es erlaubt auch bei kurzzeitigem Einspringen, wie z.B. bei Übernahme einer 4 stündigen Teilschicht, eine nachvollziehbare und faire Vergütung.

Das Vergütungsmodell macht bei Zugrundelegen eines geeignet hohen Ansatzes der Wartezeitpauschale auch kleine Standorte finanziell attraktiv. Durch den Abzug einer Stunde der Wartezeitpauschale pro Einsatz werden Einsatzvergütungen an einsatzstarken Standorten durch die zusätzliche Gewährung der Wartezeitpauschale während des Einsatzes (was ja bereits in der Formulierung widersinnig erscheint) nicht unangemessen überhöht. Es erlaubt so eine faire Bezahlung, auch wenn an einem sonst einsatzstarken Standort in einer Schicht ungewöhnlich wenige Einsätze anfallen, es überhöht die Bezahlung nicht unverhältnismäßig, auch wenn in einer Schicht an einem sonst einsatzarmen Standort unerwartet viele Einsätze anfallen.

Das Vergütungsmodell verzichtet (abseits der Einsatzvergütung selbst) auf eine Pauschalierung der Vergütung, wie von manchen angestrebt, da es jedem Leistungsprinzip widerspricht, wenn ein Notarzt nach 12 Stunden Schlaf gleich entlohnt wir, wie ein Notarzt nach 12 Stunden mit 10 Einsätzen. Zudem führt eine Pauschalierung der Vergütung – welcher Art auch immer – stets auch zu einer Verlagerung des Morbiditätsrisikos (Zunahme der Einsatzzahlen bei zunehmend älterer Bevölkerung) zu Lasten der Notärzte, was wir naturgemäß ablehnen.

Das Vergütungsmodell verzichtet auf die bisher übliche Staffelung der Wartezeitpauschale nach statistischer Einsatzhäufigkeit am jeweiligen Standort, da diese an Ausnahmetagen (wenig Einsätze an sonst einsatzstarken Standorten, viele Einsätze an sonst einsatzschwachen Standorten) zu eklatanten Ungerechtigkeiten führt. Die Staffelung der Wartezeitpauschale führt zudem an Standorten, die knapp über dem Cut-Off der Einsatzzahl liegen, die die jeweils nächste Pauschalenstufe triggert, zu einer systematischen, ungerechten Verringerung der Einkünfte. Bei Standorten die knapp unterhalb des Cut-Offs der Einsatzzahl liegen, die die jeweils nächste Pauschalenstufe triggert, erfolgt eine systematische, ungerechte Erhöhung der Einkünfte im Vergleich zu den Kollegen anderer Standorte. Solche Verzerrungen finden sich im vorgeschlagen Vergütungsmodell nicht.

Wir halten es nicht für sinnvoll, dieses Vergütungsmodell zu variieren. Diskutiert werden sollte aus unserer Sicht allenfalls die Höhe der jeweiligen Vergütungsvariablen. Eine Wartezeitpauschale in der Höhe zwischen 20 und 25€ (entsprechend einer Vergütung von etwa 250€ für 12 Stunden einsatzfreier Wartezeit) erscheint uns ebenso adäquat, wie eine pauschale Einsatzvergütung im Bereich zwischen 120 und 150€. Beide Beträge erscheinen uns, nicht zuletzt anhand der Kosten anderer Dienstleistungen, die rund um die Uhr vor Ort angeboten werden, angebracht.

Letzteres zeigt gleichzeitig einen der wichtigsten Vorteile des vorgeschlagenen Vergütungsmodells. Das Vergütungsmodell ist so einfach konstruiert, dass ein Vergleich der Notarzt-Vergütung mit der Entlohnung von Dienstleistungen anderer Berufsgruppen unschwierig erfolgen kann. Kommt das vorgeschlagene Vergütungsmodell zum Einsatz, so kann ohne Einschränkung öffentlich nachvollziehbar dargestellt werden, was eine Stunde Wartezeit und was ein Notarzteinsatz in Bayern die Kassen und damit die Bürger kostet bzw. was diese Dienstleistungen uns Wert sind.

Um Ihnen die modellhafte Berechnung beispielhafter Vergütungsszenarien und unterschiedlich hoher Vergütungsvariablen zu ermöglichen haben wir eine vereinfachte Berechnungstabelle generiert, die Sie hier elektronisch anfordern können. Klicken Sie dazu auf diesen Link, ergänzen Sie die entstandene Email mit Namen und Notarztstandort (dies ist erforderlich, um Missbrauch zu vermeiden, Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben) und senden diese an uns ab. Sie erhalten neben dem Link auf die Berechnungstabelle und der zugehörigen Anleitung auch die Möglichkeit uns mitzuteilen, welche Entgelthöhe Ihnen angebracht erscheint.

Transparenz und Zensur im Blog

Dieser Blog hat als Ziel die Transparenz bei der Kommunikation berufspolitischer Themen, die die bayerischen Notärzte betreffen. Dabei entsteht natürlich immer ein Spagat zwischen „Klartext schreiben“, „Dampf ablassen“ und „Beleidigung“, zwischen „Bericht“, „Geschichte“ und „Gerücht“. Wir, die Redakteure dieses Blogs (siehe bayerische-notaerzte.de), möchten keinerlei Zensur ausüben und greifen daher nur ungern reglementierend ein. Glücklicherweise ist dies auch nur selten erforderlich.

Dennoch lassen wir natürlich diffamierende und beleidigende Äußerungen nicht zu – oder wenn dann nur mit einem moderierenden Kommentar versehen. So halten wir Behauptungen, dass Kollegen an einsatzstarken Standorten aus Zeitmangel „ein Polytrauma mit Tramal/ Novalgin ohne Arztbegleitung ins Klinikum“ schicken für ehrenrührig. Die Unterstellung, dass Notärzte – egal wo – derartig unqualifiziert versorgen ist dabei ebenso unerträglich wie die von anderer Seite vorgetragene, abschätzige Formulierung über „Freizeitnotärzte im Bayerischen Wald“. Dementsprechend haben unbelegte „Berichte“ über unkollegiale Vorteilsnahme, Gerüchte über Betrug oder Unterschlagung und Geschichten vom Hörensagen in diesem Blog so lange nichts zu suchen, so lange für die vorgetragenen Anschuldigungen keine Belege existieren.

Wie vorsichtig bzw. freizügig gehen wir mit der „Zensur“ um? Auch das möchten wir hiermit transparent machen: Trifft ein unglücklich wirkender Kommentar bei uns ein, so treten wir zunächst in Mail-Kontakt mit dem Autor. Akzeptiert dieser eine Kürzung um die beanstandete Äußerung bzw. akzeptiert die Rücknahme des Kommentars, so erfolgen keine weiteren Schritte. Besteht der Autor eines Kommentars nach Rücksprache auf unveränderte Wiedergabe, so tritt die Redaktionskonferenz zusammen. Wir wägen dabei ab, ob der strittige Kommentar auf ausdrücklichen Wunsch des Autors doch publiziert und ob wir den Kommentar ggf. mit einer ergänzenden Moderation durch die Redaktion versehen.

Nach Wegnahme der inhaltsfreien Beschimpfungen (4) und der Spam-Kommentare (7) wurden bisher alle erbetenen (2) Kommentar-Modifikationen akzeptiert. Mit Ausnahme von 3 Fake-Accounts (jeweils von polnischen Servern beantragt) wurden alle angemeldeten Benutzer zugelassen. In einem Fall hat sich der betreffende Kollege sogar für die „Mäßigung“ bedankt, da er erkannte, sich wohl doch etwas im Ton vergriffen zu haben. Nur in einem Fall hat – ob der erfolgten Moderation – ein Kollege voller Zorn auf die Löschung aller seiner Beiträge bestanden, die mit Befremden erfolgt ist (die Beiträge sind jetzt dem Autor N.N. zugeschrieben, die inakzeptable Passage wurde entfernt).

Wir haben aktuell (seit Januar 2013) 19 Artikel mit 103 Kommentaren und 78 eingetragene Benutzer. Wir verzeichnen (nach Abzug der Suchmaschinen) bis zu 232 Aufrufe pro Tag. Darüber freuen wir uns. Dem unserem Blog entgegengebrachten Vertrauen und Interesse wollen wir dauerhaft gerecht werden und bleiben. Wir bitten aber um Verständnis. Eine Moderation dieses Blogs ist unvermeidbar, alleine um Spam auszublenden. Ebenso ist eine Moderation unvermeidlich, weil Impressum und Nutzungsbedingungen die Verantwortung des einzelnen Autors für seine Beiträge klarstellt und wir keinen Kollegen ungeschützt in Konflikt mit §29 der Berufsordnung für Ärzte in Bayern (Kollegiale Zusammenarbeit) oder anderen juristischen Fallstricken treten lassen wollen.

Wir werden auch weiter alle Äußerungen so weit wie irgend möglich uneingeschränkt zulassen, auch wenn uns die eine oder andere vorgetragene Meinung keineswegs entspricht. Kollegialität steht für uns aber an erster Stelle, Unkollegialität werden wir nicht unterstützen.

BayNA-Kalender

Auf vielfachen Wunsch stellt unsere Site für die Bayerischen Notärzte ab sofort einen Veranstaltungskalender zur Verfügung. Wir geben unseren Kolleginnen und Kollegen sowie den assoziierten Organisationen die Möglichkeit, Treffen von Notarztgruppen, Fortbildungsveranstaltungen und andere Termine, die für die Bayerischen Notärzte interessant sein können hier (natürlich kostenlos) zu veröffentlichen.

Einen neuen Termin können Sie anmelden, indem Sie im Menue [BayNA-Kalender] den Punkt [Kalendereintrag anmelden] wählen oder hier klicken.

bayerische-notaerzte.de

Der Bayerische Notarztdienst wird in den letzten Monaten zunehmend durch unnachvollziehbare Verwaltungsakte, unausgegorene strukturelle Änderungen und unglücklich kommunizierte Verschlimmbesserungen beeinflusst und beschädigt. Um diesen Entwicklungen entgegenzutreten nutzen Kolleginnen und Kollegen als unabhängiges Kommunikationsinstrument Emails, die massenweise kopiert, weitergeleitet und kommentiert werden. So erfreulich diese engagierte Email-Flut ist, überschwemmen diese Nachrichten die elektronsichen Postfächer und werden dank häufiger Redundanz nur noch quergelesen. So gehen nicht selten wichtige Informationen verloren, so verlieren viele den Überblick über den aktuellen Stand der Ent- oder Verwicklung.

Wir haben uns daher entschlossen diesen Blog „bayerische-notaerzte.de“ zu gründen, um die uns zur Verfügung stehenden Informationen rund um Themen wie Abrechnung, Dienstordnung oder Qualitätsmanagement an zentraler Stelle bereitzustellen und für jeden eingetragenen Benutzer (der Blog steht allen aktiven, bayerischen Notärzten offen) öffentlich kommentierbar zu machen.

Wir hoffen, mit Hilfe dieses Blogs die regen Diskussionen kanalisieren und die Interessen der bayerischen Notärzte zentral bündeln und artikulieren zu können. Auf Ihre Kommentare sind wir gespannt.

Birgit Baier
Hans-Joachim Goller
Claus Heuschmid
Thomas Jarausch
Michael Reng (für die agbn)